Gleichstellen

Zielsetzung des Vorhabens

Das Modellvorhaben „Arbeitsqualität für Frauen durch branchenorientierte Chancengleichheitspolitik und gezielte Frauenförderung – ein Geschwisterpaar für die Gleichstellungspolitik in ausgewählten Dienstleistungsbranchen“ gehört zum Förderschwerpunkt „Stärkung der Handlungskompetenz betrieblicher Akteure zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Unternehmen“.

Grundsätzlich geht es darum, den Strukturwandel in Deutschland hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft positiv für die erwerbstätigen Frauen zu gestalten. Daraus ergeben sich für das Modellvorhaben drei zentrale Ziele:

A: Arbeitsqualität für Frauen in Dienstleistungsberufen
durch branchenorientierte Chancengleichheitspolitik

Ziel ist die Verbreiterung und Vertiefung der gleichstellungspolitischen Informationsbasis in Branchen und Betrieben aus Einzelhandel, Finanzdienstleistungen sowie Ver- und Entsorgung.

Diese drei Branchen im Dienstleistungssektor sind unter gleichstellungspolitischen Aspekten sehr unterschiedlich aufgestellt, wie allein schon ein Blick auf die unterschiedliche Verteilung der Geschlechter auf die Arbeitsplätze in den Branchen zeigt:

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hat der Dienstleistungsbereich insgesamt mit 55,5% aller hier Erwerbstätigen einen vergleichsweise hohen Frauenanteil. Im Handel finden wir einen Frauenanteil von fast 75% und im Bereich Finanzdienstleistungen mit 49,0% sind die Geschlechter nahezu gleich verteilt, während in der Ver- und Entsorgung nur 20% der Beschäftigten weiblich sind.

Wir haben es also mit einer frauendominierten, einer – bezogen auf die Geschlechter – gleichbesetzten, sowie einer männerdominierten Branche zu tun. Insofern gehen wir davon aus, dass sich mit dieser Auswahl wesentliche Hinweise finden lassen, wie Chancengleichheitspolitik in Branchen mit sehr unterschiedlicher Frauenpräsenz gestaltet werden kann.

Darüber hinaus vollzieht sich der strukturelle Wandel in den drei Branchen ebenfalls sehr unterschiedlich und liefert somit eine zweite Begründung für die getroffene Auswahl:
Im Handel geht der strukturelle Wandel mit deutlichen Tendenzen zur Prekarisierung einher. Frauen sind hier von der zunehmenden Unsicherheit überproportional betroffen.

Demgegenüber sind die strukturellen Wandlungsprozesse in den Finanzdienstleistungen gekennzeichnet vom technologischen Wandel und der Verdichtung von Arbeit. Dabei sind es vor allem die psychischen Belastungen (für beide Geschlechter), die in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben.

Die Ver- und Entsorgung schließlich befindet sich weiterhin in einem starken Konzentrations- und Privatisierungsprozess unter erheblichem Preisdruck. Eine starke geschlechtsspezifische Segregation der Tätigkeitsfelder ist ein weiteres Merkmal dieser Branche.

Aufbauend auf die Verbreiterung und Vertiefung der Informationsbasis in den genannten Branchen haben wir uns zum Ziel gesetzt, AkteurInnen dieser Branchen und zugehöriger Betriebe für eine verstärkte betriebliche Gleichstellungspolitik zu sensibilisieren, zu qualifizieren und zu mobilisieren.

Folgende detaillierte Ziele werden im Handlungsstrang A erreicht:

  1. Die Verbreiterung und Vertiefung der qualitativen wie quantitativen Informations- und Datenbasis zur Lage der Gleichstellung auf Branchenebene.
    In drei Kernbranchen des ver.di-Organisationsbereichs (Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, Ver- und Entsorgung) wurden arbeitsorientierte und gleichstellungspolitische Branchenreports angefertigt. Damit entwickelte das Projekt eine neue Daten- und Informationsbasis, die bisher in dieser Form nicht vorlag.

    Eine detaillierte und vertiefte Betrachtung ist jedoch die zentrale Voraussetzung und damit Handlungsgrundlage für eine konkrete praxisnahe Gleichstellungspolitik in den Betrieben. Die Reporte legen branchenspezifische Arbeitsbedingungen und die Arbeitsqualität in bestimmten Tätigkeitsbereichen ebenso offen wie konkrete Herausforderungen für die Gleichstellungspolitik. Sie erhöhen zudem die Nachhaltigkeit des Projektes, indem sie uns künftig mit validen Daten und Erkenntnissen auch betriebsübergreifend arbeiten lassen.
  2. Die Sensibilisierung, Qualifizierung und Mobilisierung von MultiplikatorInnen und ExpertInnen aus den Zielbranchen durch drei Branchendialoge.
    Die Ergebnisse der Branchenreporte wurden im Rahmen des Projekts diskutiert. Darauf aufbauend konnten wir gleichstellungspolitische Strategien und Maßnahmen entwickeln bzw. weiter konkretisieren. Die bestehende Handlungsgrundlage für betriebliche wie branchenorientierte AkteurInnen wird künftig weiter vertieft und geschärft. Zugleich können AkteurInnen auf dieser Basis überzeugt werden, sich für konkrete Maßnahmen in ihren Betrieben einzusetzen. Denn auf dieser verbreiterten Basis lassen sich konkrete Handlungskonzepte ableiten – sowohl für die betriebliche als auch für die Branchenebene.
  3. Die Verbreiterung und Vertiefung der qualitativen wie quantitativen Informations- und Datenbasis zur Lage der Gleichstellung auf Betriebsebene sowie die Sensibilisierung, Qualifizierung und Mobilisierung betrieblicher AkteurInnen in den drei Zielbranchen.
    Im Rahmen des Projekts entstanden betriebsspezifische Bestandsaufnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen mit je zehn Betrieben aus allen drei Branchen. Diese Bestandsaufnahmen verbreitern die Daten- und Informationsbasis für konkrete betriebliche Handlungsoptionen in Bezug auf die Förderung der Gleichberechtigung. Sie bilden somit die Handlungsgrundlage für eine konkrete praxisnahe Gleichstellungspolitik in den Betrieben.

    Aus den Ergebnissen der Analysen wurde mit den betrieblichen AkteurInnen ein betrieblicher Aktionsplan entwickelt. In der Gesamtheit wollen wir den Kompetenzzuwachs bei betrieblichen AkteurInnen steigern und ihre Handlungsmöglichkeiten erweitern.
  4. Die Qualifizierung sowie weitere Mobilisierung betrieblicher AkteurInnen durch fünf innovative Seminarmodelle, die entwickelt und modellhaft umgesetzt werden. Hierzu zählt auch die Entwicklung einer Internetplattform für zwei Seminarmodelle (Blended Learning, Internetseminar). Hier wurden die erkannten, zentralen Herausforderungen zur Chancengleichheit aufgegriffen und betriebsnah bearbeitet. Damit sollte die erweiterte Wissens- und Informationsbasis operativ zur Verbesserung der betrieblichen Gleichstellung umgesetzt sowie – als Beitrag zur Nachhaltigkeit – das gleichstellungspolitische Wissen an betriebliche AkteurInnen weitergegeben werden.

    Alle Seminare wurden systematisch und ausführlich evaluiert. Der Fokus der Auswertungen liegt auf der Umsetzung der formulierten Ziele im betrieblichen Alltag. Insofern sind die positiven betrieblichen Veränderungen und Effekte im Verlauf des Modellvorhabens mess- und nachweisbar.

Die Ziele der Bundesinitiative:

  • eigenständige Existenzsicherung
  • Aufstiegs- und Karrierechancen
  • bessere Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung
  • Verringerung der Einkommensunterschiede
  • bessere Work-Life-Balance

Diese Punkte wurden in allen drei Fachbereichen sowohl auf Branchen- als auch auf Betriebsebene aufgearbeitet und mit zentralen MultiplikatorInnen und AkteurInnen diskutiert. Zugleich wurden in den Betrieben konkrete gleichstellungs- und arbeitspolitische Handlungsansätze entwickelt, die zur Verbesserung der Situation von Frauen in den Betrieben und der Branche beitragen, bezüglich:

  • Einkommen
  • Personalentwicklung
  • Balance

B: Durch übergreifenden Dialog und Transfer guter Praxis
werden Ergebnisse überbetrieblich und nachhaltig gesichert

Neben den beiden konkreten praxisnahen Entwicklungs- und Handlungssträngen galt es außerdem, die Projektziele und Projektergebnisse im Sinne einer breiten Öffentlichkeitsarbeit nach außen zu tragen sowie die entwickelten Konzepte und Instrumente anderen Betrieben zur Verfügung zu stellen.

Ziel B unterstützt die Verbreitung gewonnener Erkenntnisse zu allen Zielen der Bundesinitiative z. B.

  • Struktur für Gleichstellungsreporte
  • branchenbezogene und betriebliche Qualifikationskonzepte und damit die
  • Nachhaltigkeit der entwickelten Konzepte und Materialien

C: Gezielte Förderung von Frauen in Führungsfunktionen

Ziel ist die Stärkung der Position weiblicher Führungskräfte im Dreiklang von Qualifizierung, Austausch und Vernetzung mit den „strategischen Partnerinnen“.

In 78 dezentralen und branchenübergreifenden Veranstaltungen wurden weibliche Führungs(nachwuchs)kräfte qualifiziert. Über das Ziel C sollten insbesondere Aufstiegs- und Karrierechancen, aber mittelbar auch die anderen Ziele verbessert und unterstützt werden.